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Praxis3 Min. Lesezeit2026-01-20

EN 1090 Überwachungsaudit: Die 7 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

Diese 7 Nichtkonformitäten tauchen bei EN 1090-Überwachungsaudits am häufigsten auf. Mit konkreten Gegenmaßnahmen für Schweißaufsichtspersonen.

Was beim Überwachungsaudit geprüft wird

Ein EN 1090-Überwachungsaudit ist kein Gespräch über Qualitätssicherung — es ist eine Dokumentenprüfung. Der Auditor bewertet systematisch, ob das Werkseigene Produktionskontrollsystem (WPK) die Anforderungen der EN 1090-1 und der deklarierten Ausführungsklasse erfüllt.

Die gute Nachricht: Die häufigsten Nichtkonformitäten sind bekannt. Wer sie kennt, kann sich gezielt vorbereiten.

Fehler 1: Fehlende 6-Monats-Bestätigung bei Schweißerqualifikationen

Die häufigste Nichtkonformität überhaupt. ISO 9606-1 Klausel 9.1 fordert die schriftliche Bestätigung alle 6 Monate — viele Betriebe verlieren die Frist aus dem Blick.

Gegenmaßnahme: Fristmanagement-System einführen. Erinnerung 30 Tage vor Ablauf einstellen. Bei mehr als 5 Schweißern: digitales System verwenden.

Fehler 2: WPS ohne gültige WPQR als Grundlage

Eine Schweißanweisung (WPS) ohne zugrundeliegende Verfahrensprüfung (WPQR) ist nicht normkonform nach ISO 15609-1. Der Auditor prüft für jede WPS: Gibt es eine gültige WPQR, die den Geltungsbereich abdeckt?

Gegenmaßnahme: WPS-Register mit WPQR-Verknüpfung führen. Bei jeder neuen WPS prüfen: Deckt eine vorhandene WPQR das Verfahren, die Dicke und das Material ab?

Fehler 3: Schweißaufsicht ohne schriftliche Bestellung

ISO 14731 fordert, dass die verantwortliche Schweißaufsichtsperson schriftlich bestellt ist — mit klarer Aufgabenbeschreibung. Mündliche Beauftragung reicht nicht.

Gegenmaßnahme: Bestellungsschreiben erstellen mit: Name und Qualifikation der Schweißaufsicht, konkreter Aufgabenbeschreibung nach ISO 14731 Anhang B, Datum und Unterschrift der Geschäftsführung.

Fehler 4: ZfP-Prüfumfang nicht dokumentiert oder unterschritten

Viele Betriebe führen Prüfungen durch — dokumentieren aber nicht, ob der geplante Prüfumfang tatsächlich erreicht wurde. EN 1090-2:2018 Tabelle 24 staffelt die ergänzende ZfP nach Nahtart: Quer-Stumpfnähte im Stumpf- oder Kreuzstoß 10 % in EXC2 und 20 % in EXC3, im T-Stoß 5 % bzw. 10 %, kleinere Quer-Kehlnähte 0 % bzw. 5 %. Die Sichtprüfung kommt in jeder Klasse an allen Nähten hinzu und wird nicht in Prozent gerechnet.

Zweite Stolperstelle: Die Prozentsätze gelten kumulativ für ein Prüflos über ein rollierendes Jahr, nicht für die einzelne Naht. Wer projektweise abrechnet, weist den Umfang nicht so nach, wie die Norm ihn definiert.

Gegenmaßnahme: ZfP-Plan vor Projektbeginn erstellen, tatsächlich geprüfte Nähte dokumentieren, Abweichungen vom Plan schriftlich begründen.

Fehler 5: NCR-Prozess nicht nachvollziehbar dokumentiert

Jeder Betrieb hat Nichtkonformitäten — das weiß auch der Auditor. Was er prüft: Gibt es einen dokumentierten Prozess? Werden NCRs erfasst, analysiert, behoben und die Maßnahmen verifiziert?

Gegenmaßnahme: NCR-Formular einführen mit: Beschreibung der Abweichung, Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahme, Verifizierungsdatum und Verantwortlichkeit.

Fehler 6: Abgelaufene Schweißerqualifikationen im aktiven Einsatz

Nach 3 Jahren erlischt das ISO 9606-1-Zertifikat, wenn keine Verlängerungsprüfung stattgefunden hat. Viele Betriebe merken das erst, wenn der Auditor nachfragt.

Gegenmaßnahme: Qualifikationsregister mit Ablaufdaten pflegen. Erinnerung 90 Tage vor Ablauf einstellen — rechtzeitig genug für die Verlängerungsprüfung.

Fehler 7: Grundwerkstoff-Dokumentation unvollständig

Welcher Zeugnistyp gefordert ist, entscheidet nach EN 1090-2:2018 Tabelle 1 die Stahlgüte, nicht die Ausführungsklasse: Baustahl ≤ S275 genügt ein Werkszeugnis 2.2, ab Baustahl > S275 (S355, S460 …) ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 mit chargenspezifischen Prüfwerten und Schmelznummer gefordert; für Schweißzusätze reicht durchgehend 2.2. Was die Ausführungsklasse steuert, ist die Rückverfolgbarkeit: Ab EXC3 müssen Erzeugnisse in allen Stadien vom Wareneingang bis zur Übergabe zuordenbar sein (Abschnitt 5.2). Was der Auditor prüft: Sind alle Zertifikate vorhanden und mit den Schweißnähten der Projekte verknüpft?

Gegenmaßnahme: Materialdokumentation pro Projekt führen. Schmelznummern auf den Materialnachweisen mit den eingesetzten Blechen verknüpfen. Bei Bestellung sicherstellen, dass der Lieferant Typ 3.1 mitliefert — Händler dürfen nach EN 10204 Klausel 4.2 keine Zeugnisse ändern oder neu ausstellen.

Fazit: Vorbereitung ist halbe Arbeit

Die meisten EN 1090-Nichtkonformitäten entstehen nicht durch mangelndes Fachwissen — sondern durch fehlende Organisation. Wer die Fristüberwachung systematisiert, WPS und WPQR verknüpft und den NCR-Prozess lebt, ist bei jedem Audit gut aufgestellt.

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