Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 — was das für die Schweißaufsicht bedeutet
Die Ausführungsklasse bestimmt, welche Anforderungen an Dokumentation, NDT-Prüfumfang und die Qualifikation der Schweißaufsicht gelten. EXC2 und EXC3 sind im deutschen Metallbau am häufigsten.
1. Was sind Ausführungsklassen nach EN 1090-2?
Ausführungsklassen (EXC1 bis EXC4) legen fest, wie streng die Anforderungen bei der Herstellung von Stahl- und Aluminiumtragwerken sein müssen. Je höher die Klasse, desto umfangreicher sind die Dokumentations-, Qualifikations- und Prüfpflichten. Die Klasse wird vom Tragwerksplaner oder Auftraggeber vorgegeben — du als Schweißaufsicht musst sicherstellen, dass dein WPK-System die entsprechenden Anforderungen erfüllt.
| Klasse | Ergänzende ZfP: Quer-Stumpfnaht im Stumpfstoß | Wissensniveau Schweißaufsicht (Tab. 14/15) |
|---|---|---|
| EXC1 | 0 % (10 % ab S420) | Nicht in Tab. 14/15 geregelt |
| EXC2 | 10 % | B bis C — nach Stahlsorte und Dicke |
| EXC3 | 20 % | S bis C — nach Stahlsorte und Dicke |
| EXC4 | je Naht, mind. EXC3 | C (Comprehensive) |
Die ZfP-Spalte zeigt einen einzelnen Wert aus EN 1090-2:2018 Tabelle 24. Die Tabelle staffelt nach Nahtart: im T-Stoß gelten 5 % (EXC2) bzw. 10 % (EXC3), bei kleinen Quer-Kehlnähten 0 % bzw. 5 %. Die Sichtprüfung erfolgt in jeder Klasse an allen Nähten und wird nicht in Prozent gerechnet. Das technische Wissen des Schweißaufsichtspersonals (B/S/C) staffeln die Tabellen 14 (Baustähle) und 15 (nichtrostende Stähle) nach Ausführungsklasse, Stahlsorte und Erzeugnisdicke (Abschnitt 7.4.3); die Spalte nennt die Spannweite. Für EXC1 fordert Abschnitt 7.4.3 stattdessen eine ausreichende Überwachung nach EN ISO 3834-4. Eine feste Zuordnung der Niveaus zu IWS, IWT oder IWE enthält die Norm nicht. EXC4 ist nach Abschnitt 4.1.2 die EXC3 mit zusätzlichen projektspezifischen Anforderungen. Für die Grundlage der Klassenwahl verweist die Anmerkung zu Abschnitt 4.1.2 auf EN 1993-1-1:2005/A1:2014, Anhang C.
2. EXC2 — der Standard für die meisten Metallbau-Betriebe
EXC2 gilt für normale Gebäude, Hallen und übliche Stahlbaukonstruktionen — das ist die häufigste Ausführungsklasse im deutschen Metallbau. In EXC2 verlangt Tabelle 14 bei S235 bis S355 und Dicken bis einschließlich 25 mm das Wissensniveau B (Basic), über 25 bis 50 mm Niveau S und darüber Niveau C — für Stähle bis einschließlich S275 genügt auch über 50 mm Niveau S (Fußnote c). Bei S420 bis S700 beginnt die Staffel bereits bei S. Die ergänzende ZfP liegt bei 10 % für Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß, 5 % im T-Stoß und 0 % für kleine Quer-Kehlnähte — zusätzlich zur Sichtprüfung, die an allen Nähten erfolgt.
3. EXC3 — erweiterte Anforderungen für die Schweißaufsicht
EXC3 gilt für Tragwerke mit hoher Konsequenz bei Versagen — wichtige Gebäude, Brücken mit hohem Verkehr. In EXC3 fordert Tabelle 14 bei S235 bis S355 mindestens Niveau S, über 25 mm Erzeugnisdicke Niveau C; bei S420 bis S700 durchgängig Niveau C. Die ergänzende ZfP verdoppelt sich gegenüber EXC2 — 20 % im Stumpf- und Kreuzstoß, 10 % im T-Stoß. Alle WPS müssen durch eine Verfahrens- oder Vorproduktionsprüfung abgedeckt sein; die für EXC2 zulässigen Wege über ISO 15611 und ISO 15610 entfallen (Tabelle 12).
EXC3 im Vergleich zu EXC2 — zusätzliche Pflichten
- ✓ Höheres Wissensniveau der Schweißaufsicht: S statt B bei S235 bis S355 bis einschließlich 25 mm, darüber C (Tabelle 14)
- ✓ Ergänzende ZfP verdoppelt: 20 % statt 10 % bei Quer-Stumpfnähten im Stumpf- und Kreuzstoß, 10 % statt 5 % im T-Stoß
- ✓ Vollständiges Änderungsprotokoll aller WPK-Dokumente
- ✓ Verschärfte Rückverfolgbarkeit: ab EXC3 müssen Erzeugnisse in allen Stadien zuordenbar sein (Abschnitt 5.2). Der Zeugnistyp selbst hängt nicht an der EXC, sondern nach Tabelle 1 an der Güte (3.1 ab Baustahl > S275)
4. EXC4 — sicherheitskritische Konstruktionen
EXC4 erfordert ein projektspezifisches ZfP-Prüfprogramm: Tabelle 24 nennt für EXC4 keinen Prozentsatz, der Umfang wird je identifizierter Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen (12.4.2.3 und 12.4.2.4). Dazu kommen die vollständige Rückverfolgbarkeit aller Materialien und Schweißnähte sowie ein Schweißkoordinator mit Comprehensive Knowledge (Niveau C) nach EN 1090-2:2018, Tabellen 14 und 15. In der Praxis selten — betrifft z. B. Kernkraftwerksbauteile oder sicherheitskritische Offshore-Konstruktionen.
5. WPK-System und Ausführungsklasse: Was musst du anpassen?
Das WPK-System muss auf die höchste Ausführungsklasse ausgerichtet sein, die dein Betrieb regelmäßig ausführt. Nimmst du sowohl EXC2- als auch EXC3-Aufträge an, muss das WPK EXC3 erfüllen. Beim nächsten EN 1090-Audit prüft der Auditor genau, ob Dokumentation, NDT-Planung und Qualifikationen zur deklarierten Ausführungsklasse passen.
6. Wie SchweißAufsicht die Ausführungsklasse berücksichtigt
In SchweißAufsicht hinterlegst du einmalig deine Ausführungsklasse. Das System passt NDT-Planungsvorgaben, Dokumentationspflichten und Qualifikationsanforderungen automatisch an. Beim Audit siehst du sofort, welche Anforderungen für deine EXC-Klasse erfüllt sind — und welche noch fehlen.
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